Grenzüberschreitender Arbeitseinsatz ausländischer Mitarbeiter in Österreich

Der Arbeitseinsatz ausländischer Mitarbeiter in Österreich stellt die heimischen Unternehmen immer noch vor große Hürden. Mit Inkrafttreten des Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetzes zum 01.01.2017 verschärfte sich nicht nur die Gesetzeslage im Hinblick auf die Erfüllung formeller Kriterien, sondern werden auch von Seiten der Behörden immer strengere Kontrollen durchgeführt. Eine vorgelagerte Beratung scheint demnach unumgänglich, ziehen doch schon kleinere Verstöße Strafverfahren mit empfindlichen Strafzahlungen nach sich. Neben klassischen steuerrechtlichen Aspekten im internationalen Kontext hat der Unternehmer daher auch sein Augenmerk auf Bestimmungen des Gewerbe- und Verwaltungsrecht zu legen.

 

In der Praxis hat sich daher bewährt eine generelle Vorabqualifikation des Sachverhalts zu treffen, ob eine Entsendung oder eine Überlassung eines Mitarbeiters nach Österreich vorliegt. Wenngleich die Unterscheidung marginal erscheinen mag, knüpfen daran entscheidende Rechtsfolgen.

 

Eine Entsendung liegt immer dann vor, wenn ausländische Mitarbeiter in Österreich tätig werden, deren gewöhnlicher Arbeitsort im Ausland bestehen bleibt, ein Rückkehrwille besteht und keine Eingliederung in den österreichischen Betrieb erfolgt. Entsandte Mitarbeiter unterliegen den inländischen Lohnvorschriften, weshalb auf eine kollektivvertragliche Entlohnung geachtet werden muss. Sozialversicherungspflicht bleibt hingegen im Ausland bestehen, sofern die Entsendung die Dauer von 24 Monaten nicht überschreitet. Die Entsendung ist an das BMF zu melden, weiters sind entsprechende Lohn- und Sozialversicherungsunterlagen (zB. A1 Formulare) am Dienstort bereit zu halten. Für das Vorliegen derselben haftet in der Regel der ausländische Unternehmer. Gleiches gilt für etwaige Unterentlohnung der Arbeitskräfte. Besondere Vorsicht ist bei Entsendungen von Mitarbeitern aus Drittstaaten oder Kroatien (Sonderregelung) geboten. Hierfür sind spezielle Bewilligungen einzuholen und unterliegen diese einer Überprüfung durch das AMS.

 

Werden ausländische Arbeitskräfte jedoch in die betriebliche Struktur integriert liegt Arbeitskräfteüberlassung vor. Ähnlich der Entsendung ist auch hier eine Meldung an das BMF zu erstatten und sind Lohn- und SV-Unterlagen bereit zu halten. Eine Haftung für etwaige Verstöße trifft jedoch auch den inländischen Unternehmer. In der Praxis kommt es daher oft zu langwierigen Beweisverfahren, in denen die Behörde versucht eine Umqualifizierung von Entsendung in Überlassung zu erreichen. Neben Erfüllung der formellen Kriterien ist auch eine Prüfung der steuerrechtlichen Aspekte unumgänglich. Die Löhne der ausländischen Arbeitskräfte unterliegen in der Regel ab dem ersten Tag der inländischen Einkommensteuer, wobei zur Sicherung des Steueranspruches 20% des Gestellungsentgeltes vom inländischen Unternehmer einzubehalten und an das Finanzamt abzuführen sind. Ausnahmen bestehen in Bezug zu Deutschland. Keine Steuerpflicht besteht sofern die Arbeitskräfte nicht länger als 183 Tage pro Kalenderjahr in Österreich beschäftigt werden und der deutsche Überlasser einen Befreiungsbescheid im Vorfeld vorlegen kann.

 

Die Komplexität der Materie – insbesondere bei der Konzernüberlassung - und die Vielfalt an zu beachtenden Rechtsvorschriften macht es jedoch unumgänglich bereits rechtzeitig vor Arbeitsantritt einen sachkundigen Berater zu kontaktieren.

 

QUINTAX gerlich-fischer-kopp steuerberatungsGmbH